Den Taillenumfang misst du im Stehen, auf halber Höhe zwischen unterster Rippe und Beckenkamm, am Ende einer normalen Ausatmung. Bei Frauen gilt das Risiko für Folgeerkrankungen ab 80 cm als erhöht, bei Männern ab 94 cm. Die Taille ergänzt deinen Wert aus dem BMI-Rechner, weil sie zeigt, was der BMI nicht zeigt: wo dein Körperfett sitzt.
So misst du deinen Taillenumfang
Der WHO-Bericht zum Taillenumfang beschreibt ein festes Vorgehen. Für zu Hause reichen ein nicht dehnbares Maßband und ein Spiegel.
- Zieh dich bis auf wenig Kleidung aus. Stell dich mit eng beieinanderstehenden Füßen hin, die Arme hängen seitlich, das Gewicht ist gleichmäßig verteilt.
- Taste an der Körperseite die unterste Rippe und die Oberkante des Beckenkamms.
- Leg das Band genau in der Mitte zwischen beiden Punkten an. Laut NICE ist das knapp über dem Bauchnabel.
- Halte das Band waagerecht. Es soll laut ABDA gut anliegen, aber nirgends einschneiden.
- Atme ruhig und lies den Wert am Ende einer normalen Ausatmung ab. Bauch nicht einziehen, Luft nicht anhalten.
- Miss zweimal. Liegen beide Werte höchstens 1 cm auseinander, nimm den Mittelwert. Sonst miss beide Male neu.
Taillenumfang: die Werte für Frauen und Männer
Die ABDA ordnet das Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen so ein:
| Risiko | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| erhöht | ab 80 cm | ab 94 cm |
| deutlich erhöht | ab 88 cm | ab 102 cm |
Ab der oberen Grenze spricht die Deutsche Adipositas-Gesellschaft von abdominaler Adipositas. Das sind Risikogrenzen und keine Zielwerte. Ein Wert knapp darunter ist nicht automatisch gut, einer knapp darüber nicht automatisch schlecht.
Woher die Grenzen stammen
Diese Zahlen klingen fester, als sie sind. Laut WHO-Bericht gehen sie auf eine Zufallsstichprobe aus den Niederlanden zurück, mit 2183 Männern und 2698 Frauen zwischen 20 und 59 Jahren. Der Bericht hält sogar fest, dass die oft der WHO zugeschriebene Tabelle in ihrem Obesity-Report nur als Beispiel gedacht war und nicht als Empfehlung.
Dazu kommen Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Asiatische Bevölkerungen haben laut WHO-Bericht bei gleichem Umfang mehr Fett im Bauchraum, afrikanische weniger. Für asiatische Bevölkerungen könnten deshalb niedrigere Grenzen nötig sein. Auch die Lancet-Kommission fordert Grenzwerte, die zu Alter, Geschlecht und Herkunft passen.
Für dich heißt das: Nimm die Tabelle als Orientierung, nicht als scharfe Linie.
Warum die Taille etwas anderes zeigt als der BMI
Der BMI rechnet nur aus Größe und Gewicht. Die Taille gilt dagegen als einfaches Maß für das Fett im Bauchraum. Dieses innere Bauchfett hebt das Gesundheitsportal des Bundes als besonderes Risiko hervor. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft beschreibt das Erkrankungsrisiko bei bauchbetonter Fettverteilung als größer als bei Fettpolstern an Gesäß und Beinen.
Der Taillenumfang ist aber kein Blick in den Bauch. Die Lancet-Kommission weist darauf hin, dass Körpermaße das Fett unter der Haut und das Fett im Bauchraum nicht immer genau abbilden. Wer es genauer wissen will, findet die Verfahren im Ratgeber zum Messen der Körperzusammensetzung. Und wer groß oder klein ist, bekommt mit dem Taille-zu-Größe-Verhältnis eine Rechnung, die die Körpergröße mitnimmt.
Wie du Taille und BMI zusammen liest
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft empfiehlt, ab einem BMI von 25 immer auch die Taille zu messen. NICE hält die Bauchfett-Schätzung auch dann für wichtig, wenn der BMI im gesunden Bereich liegt. Die Kombination beantwortet unterschiedliche Fragen:
| BMI | Taille | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| 18,5 bis 24,9 | unter der ersten Grenze | Beide Maße sind unauffällig. Blutwerte und Blutdruck bleiben offen. |
| 18,5 bis 24,9 | über der ersten Grenze | Der BMI allein hätte das übersehen. Sprich es beim nächsten Termin an. |
| ab 25 | unter der ersten Grenze | Die Taille gibt keinen Hinweis auf eine bauchbetonte Fettverteilung. Bei viel Muskelmasse kann der BMI täuschen. |
| ab 25 | über der ersten Grenze | Beide Maße weisen in dieselbe Richtung. Lass das ärztlich einordnen. |
Wie sich die Taille im Laufe des Lebens verändert
Derselbe Umfang bedeutet nicht in jedem Lebensabschnitt dasselbe. Der WHO-Bericht beschreibt mehrere Einflüsse:
- Geschlecht: Männer lagern im Verhältnis mehr Fett zentral am Rumpf ein, Frauen in jungen Jahren eher an Hüfte und Beinen.
- Schwangerschaften: Frauen, die geboren haben, hatten in Auswertungen einen größeren Taillenumfang, unabhängig von Alter und BMI.
- Wechseljahre: Fett verlagert sich stärker zum Bauch. In einer US-Langzeitstudie mit 380 Frauen nahm das Fett im Bauchraum im Übergang zur Menopause zu. Ob das an den Hormonen oder am Älterwerden liegt, ließ der WHO-Bericht offen.
- Alter: Ab dem späteren mittleren Alter nimmt das Unterhautfett ab, und Fett verlagert sich in den Bauchraum.
Ein Wert im Verlauf sagt dir deshalb mehr als ein einzelner. Mehr zu den Jahren rund um die Wechseljahre steht unter BMI bei Frauen ab 50.
Warum dein Wert allein noch keine Antwort ist
Messfehler sind der eine Grund. Laut WHO-Bericht messen Studien an verschiedenen Stellen: am häufigsten auf halber Höhe, oft auch am Nabel oder an der schmalsten Stelle. Eine Übersichtsarbeit fand, dass die Stelle den Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Risiko und Sterblichkeit nicht wesentlich änderte. Für deinen eigenen Vergleich zählt also vor allem, immer gleich zu messen.
Der andere Grund: Auch eine genaue Taille ist nur ein Hinweis auf ein Risiko. Sie sagt nichts über Blutdruck, Blutzucker oder Blutfette. Laut Lancet-Kommission sind Körpermaße kein verlässliches Maß dafür, ob eine Krankheit vorliegt. Dafür brauchst du Befunde, und die liegen oft in mehreren Praxen. Wie du sie zusammenbekommst, erklärt der Ratgeber Befunde vom Arzt anfordern.

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.
- Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
- Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
- Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
- Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.
Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.
Befunde anfordern lassenWann du mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen solltest
Sprich mit deiner Praxis, wenn dein Wert über den genannten Grenzen liegt oder sich deutlich verändert hat, ohne dass du es dir erklären kannst. Die Vorsorgeuntersuchungen nach Alter sind ein guter Anlass, die Taille anzusprechen.
Häufige Fragen
Wo misst man den Taillenumfang genau?
Auf halber Höhe zwischen der untersten tastbaren Rippe und der Oberkante des Beckenkamms. Laut NICE liegt diese Stelle meist knapp über dem Bauchnabel.
Welcher Taillenumfang ist bei Frauen normal?
Die ABDA nennt das Risiko ab 80 cm erhöht und ab 88 cm deutlich erhöht. Das sind Risikogrenzen und keine Zielwerte.
Welcher Taillenumfang gilt bei Männern?
Ab 94 cm gilt das Risiko als erhöht, ab 102 cm als deutlich erhöht. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft spricht bei Männern ab 102 cm von abdominaler Adipositas.
Warum sind die Grenzen für Männer höher?
Männer und Frauen sind unterschiedlich gebaut. Der WHO-Bericht beschreibt deutliche Unterschiede bei Muskelmasse, Knochen und Fettverteilung. Die Zahlen selbst stammen aus Risikovergleichen in einer niederländischen Stichprobe.
Gelten die Werte auch für Kinder und Jugendliche?
Nein. Für Kinder schlägt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft altersbezogene Referenzwerte vor. Sprich als Elternteil bei Fragen mit der Kinderarztpraxis.
Quellen
- WHO: Waist circumference and waist-hip ratio, report of a WHO expert consultation (2008, erschienen 2011)
- ABDA: Bestimmung von Body-Mass-Index und Körperfettverteilung, Standardarbeitsanweisung für die Apotheke (Stand 02.2017)
- Deutsche Adipositas-Gesellschaft: Definition von Adipositas
- NICE: Overweight and obesity management (NG246), Identifying and assessing overweight, obesity and central adiposity
- NICE: Overweight and obesity management (NG246), Rationale and impact
- Rubino et al.: Definition and diagnostic criteria of clinical obesity, Lancet Diabetes Endocrinol 2025, DOI 10.1016/S2213-8587(24)00316-4 (PMC)
- gesund.bund.de: Übergewicht
- Greendale et al.: Changes in Regional Fat Distribution and Anthropometric Measures Across the Menopause Transition, J Clin Endocrinol Metab 2021
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