Bei Sportlern kann der BMI täuschen, weil er nur Gewicht und Größe verrechnet: Viel Muskelmasse hebt den Wert, auch wenn du wenig Körperfett hast. Deinen Wert bekommst du mit dem BMI-Rechner. Ob er zu dir passt, prüfst du danach mit dem Maßband.
Warum Muskeln den BMI heben
Der BMI kennt nur zwei Zahlen. Die Waage unterscheidet nicht, ob ein Kilo aus Muskeln oder aus Fett besteht. Witt und Bush formulieren es so: Viel fettfreies Gewebe erhöht den BMI ebenso wie viel Fettgewebe.
Ein Rechenbeispiel: Du bist 1,80 m groß und wiegst 90 kg. Das ergibt einen BMI von 27,8. Die WHO-Tabelle nennt das Präadipositas. Ob dahinter Training oder Körperfett steckt, verrät die Zahl nicht.
Das Problem ist bekannt. Auch das Gesundheitsportal des Bundes schreibt, dass der BMI bei sehr muskulösen Personen ein falsches Bild vermitteln kann. Die Lancet-Kommission von 2025 nennt Sportler ausdrücklich als Beispiel dafür, dass der BMI Adipositas zu oft anzeigen kann. Die britische Leitlinie NICE rät deshalb zur Vorsicht bei Erwachsenen mit hoher Muskelmasse.
Was Studien an Sportlern zeigen
Zwei Studien haben geprüft, wie viele Sportler mit einem BMI ab 25 tatsächlich viel Körperfett hatten:
| Studie | Wer | BMI ab 25 | Davon viel Körperfett | Gemessen mit |
|---|---|---|---|---|
| Witt und Bush 2005 | 213 US-College-Athleten | 38 | 4 | Hautfalten |
| Mazic et al. 2009 | 299 trainierte Männer, Basketball | 85 | 3 | Bioimpedanz |
Bei Witt und Bush hatten 27 der 38 Athleten eine hohe Muskelmasse am Oberarm. Der hohe BMI ging also meist mit Muskeln einher.
Ode et al. untersuchten 226 College-Athleten und 213 Gleichaltrige ohne Leistungssport mit dem Bod Pod. Bei männlichen Athleten, männlichen Nichtsportlern und Athletinnen stufte der BMI viele Menschen als übergewichtig ein, deren Fettanteil unter der Studiengrenze lag. Die Autoren errechneten für ihre Gruppen eigene Schwellen, zum Beispiel 27,9 für männliche und 27,7 für weibliche Athleten.
Lies diese Zahlen nicht als neue Grenzwerte für dich. Alle drei Studien stammen aus eng umrissenen Gruppen. Witt und Bush sprechen selbst von einer nicht zufälligen Stichprobe. Ode et al. weisen darauf hin, dass es kein festgelegtes Kriterium für den Fettanteil und das Gesundheitsrisiko gibt, die Grenze ist also gesetzt. Außerdem nutzten die Studien verschiedene Messverfahren, die Ergebnisse lassen sich nicht direkt vergleichen.
Zwei Mal Training pro Woche reicht nicht als Erklärung
Die Studien handeln von College-Athleten und Basketballspielern. Daraus folgt nicht, dass ein BMI von 28 bei jedem Menschen mit Fitnessstudio-Abo an den Muskeln liegt. Muskeln sind eine mögliche Erklärung, keine bewiesene.
Auch die andere Richtung gibt es. Bei den nicht sportlichen Frauen in der Studie von Ode et al. erkannte die BMI-Grenze von 25 nur gut die Hälfte derer mit hohem Fettanteil. Die Lancet-Kommission warnt allgemein, dass der BMI Körperfett sowohl unter- als auch überschätzen kann. Unterschätzen kann er es etwa bei Menschen, die Muskel- oder Knochenmasse verloren haben. Wenn du früher viel trainiert hast und heute weniger, ist ein unauffälliger BMI also keine Garantie für einen niedrigen Fettanteil. Warum das so ist, erklären wir bei den Alternativen zum BMI.
So prüfst du, ob die Muskeln der Grund sind
Am einfachsten ist das Maßband. Die Lancet-Kommission empfiehlt, einen BMI ab der Adipositas-Grenze mit mindestens einem weiteren Körpermaß zu prüfen. Das senke das Risiko einer Fehleinstufung, besonders bei Sportlern. Infrage kommen der Taillenumfang oder das Taille-zu-Größe-Verhältnis.
Das zweite Maß passt gut zu dieser Frage. Laut NICE gilt seine Einteilung auch für Erwachsene mit hoher Muskelmasse, solange der BMI unter 35 liegt. So sieht das für zwei Menschen mit 1,80 m und 90 kg aus:
| Person A | Person B | |
|---|---|---|
| BMI | 27,8 | 27,8 |
| Taille | 84 cm | 100 cm |
| Taille geteilt durch Größe | 0,47 | 0,56 |
| Einteilung nach NICE | kein erhöhtes Risiko | erhöhtes Risiko |
Beide Personen sind Rechenbeispiele und keine Vorgaben. Sie zeigen, dass derselbe BMI zu zwei verschiedenen Einordnungen führen kann. Die Einteilung ersetzt auch keine ärztliche Beurteilung.
Körperfett direkt messen lassen
Wenn du es genauer wissen willst, kommt eine direkte Messung infrage. Die Lancet-Kommission nennt DEXA und Bioimpedanz als Beispiele. NICE ist bei der Bioimpedanz strenger und rät, sie nicht als Ersatz für den BMI zu nutzen. Wie sich DEXA, Bod Pod, Bioimpedanz und Caliper unterscheiden, zeigt unser Vergleich zum Messen der Körperzusammensetzung. Für einen Vergleich über die Zeit bleib bei demselben Verfahren und möglichst demselben Gerät, denn Gerätetypen unterscheiden sich.
Wenn du viel trainierst, interessiert dich vielleicht auch dein Energieverbrauch in Ruhe. Wie Formel und Messung dabei auseinanderliegen können, erklärt der Ratgeber Grundumsatz messen.
Warum auch ein guter Körperfettwert wenig allein sagt
Selbst wenn du geklärt hast, dass dein BMI an den Muskeln liegt, weißt du nur das. Blutdruck, Blutzucker und Blutfette stehen in keiner dieser Zahlen. Der BMI sagt laut Lancet-Kommission auch nichts über die Funktion von Organen.
Aufschlussreich wird es erst im Verlauf: Wie haben sich deine Werte über die Jahre entwickelt, auch in Phasen mit mehr oder weniger Training? Solche Daten liegen oft verstreut bei Hausarztpraxis, Sportmedizin und Labor. Wie du an sie kommst, erklärt der Ratgeber Laborwerte vom Arzt bekommen.

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.
- Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
- Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
- Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
- Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.
Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.
Befunde anfordern lassenWann du mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen solltest
Der BMI ist keine Diagnose, und deine Taille ist es auch nicht. Sprich mit deiner Praxis, wenn dein Taille-zu-Größe-Verhältnis eine erhöhte Einstufung ergibt, wenn sich dein Gewicht ungewollt stark verändert oder wenn dich dein Gewicht oder dein Essverhalten belastet.
Häufige Fragen
Gilt der BMI auch für Sportler?
Rechnen kannst du ihn, aber die Aussage ist unsicherer. Die britische Leitlinie NICE rät, den BMI bei Erwachsenen mit hoher Muskelmasse vorsichtig zu deuten.
Gibt es eine eigene BMI-Tabelle für Sportler?
Nein. Die WHO-Einteilung kennt keine Spalte für Sportler. Eine US-Studie hat für ihre Gruppen eigene Schwellen errechnet, das sind aber Studienwerte für College-Athleten und keine Grenzwerte für dich.
Wie aussagekräftig ist der BMI bei Bodybuildern?
Der BMI kann Muskeln und Fett nicht trennen, das ist bei sehr viel Muskelmasse besonders relevant. Das Taille-zu-Größe-Verhältnis hilft bis zu einem BMI von 35, die Einteilung von NICE gilt ausdrücklich auch bei hoher Muskelmasse. Darüber bleibt die direkte Messung des Körperfetts oder das Gespräch in der Praxis.
Reicht eine Körperfettwaage zum Gegenprüfen?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Campa et al. beschreiben Unterschiede zwischen Gerätetypen, die Werte verschiedener Geräte lassen sich nicht direkt vergleichen. Mehr dazu steht im Vergleich der Methoden zur Körperzusammensetzung.
Heißt wenig Körperfett, dass ich gesund bin?
Nein. Der Körperfettanteil ersetzt keine Werte zu Blutdruck, Blutzucker oder Blutfetten. Auch der BMI liefert keine Information darüber, wie deine Organe arbeiten.
Quellen
- NICE: Overweight and obesity management (NG246), Identifying and assessing overweight, obesity and central adiposity
- Rubino et al.: Definition and diagnostic criteria of clinical obesity, Lancet Diabetes Endocrinol 2025, DOI 10.1016/S2213-8587(24)00316-4 (PMC)
- Witt und Bush: College athletes with an elevated body mass index often have a high upper arm muscle area, J Am Diet Assoc 2005
- Mazic et al.: Overweight in trained subjects, are we looking at wrong numbers?, Gen Physiol Biophys 2009
- Ode et al.: Body mass index as a predictor of percent fat in college athletes and nonathletes, Med Sci Sports Exerc 2007
- Campa et al.: Assessment of Body Composition in Athletes, Nutrients 2021 (PMC)
- gesund.bund.de: Übergewicht
- WHO Europe: Nutrition for a healthy life, WHO recommendations
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