Die Waist-to-Height-Ratio, auf Deutsch Taille-zu-Größe-Verhältnis, ist dein Taillenumfang geteilt durch deine Körpergröße. Ein Wert unter 0,5 heißt: Deine Taille ist kleiner als die halbe Körpergröße. Das Maß ergänzt den BMI-Rechner, weil es einen Hinweis darauf gibt, ob sich Körperfett am Bauch sammelt.
So berechnest du die Waist-to-Height-Ratio
Du brauchst zwei Zahlen in derselben Einheit:
Waist-to-Height-Ratio = Taillenumfang in cm ÷ Körpergröße in cm
Das Beispiel der britischen Leitlinie NICE: 96,5 cm Taille geteilt durch 170 cm Größe ergibt 0,57.
Wo du misst
NICE beschreibt es so: Such die untere Rippe und die Oberkante der Hüfte. Leg das Maßband in der Mitte zwischen beiden Punkten um die Taille, das ist knapp über dem Bauchnabel. Atme normal aus und lies dann ab. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du im Ratgeber Taillenumfang messen.
Was der Wert bedeutet
NICE teilt den Wert bei Erwachsenen in drei Stufen ein:
| Waist-to-Height-Ratio | Einstufung des Bauchfetts | Bedeutung laut NICE |
|---|---|---|
| 0,4 bis 0,49 | gesund | kein erhöhtes Gesundheitsrisiko |
| 0,5 bis 0,59 | erhöht | erhöhtes Gesundheitsrisiko |
| ab 0,6 | hoch | weiter erhöhtes Gesundheitsrisiko |
Gemeint sind etwa Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Einteilung gilt laut NICE für beide Geschlechter und alle Herkunftsgruppen, auch bei hoher Muskelmasse, und nur bei einem BMI unter 35.
Darüber ist das Maß womöglich keine nützliche Ergänzung. Laut NICE-Begründung liegt es dann ohnehin fast immer hoch. Wer sich fragt, was der BMI bei trainierten Menschen taugt, liest weiter unter BMI bei Sportlern.
Tabelle: die Grenzen in Zentimetern
Statt zu rechnen, kannst du hier nachsehen, bei welchem Taillenumfang die Stufen für deine Größe beginnen:
| Körpergröße | Wert 0,5 entspricht | Wert 0,6 entspricht |
|---|---|---|
| 155 cm | 77,5 cm | 93,0 cm |
| 160 cm | 80,0 cm | 96,0 cm |
| 165 cm | 82,5 cm | 99,0 cm |
| 170 cm | 85,0 cm | 102,0 cm |
| 175 cm | 87,5 cm | 105,0 cm |
| 180 cm | 90,0 cm | 108,0 cm |
| 185 cm | 92,5 cm | 111,0 cm |
| 190 cm | 95,0 cm | 114,0 cm |
| 195 cm | 97,5 cm | 117,0 cm |
Das sind Schwellen für die Einstufung und keine Zielmaße. Achte darauf, wie eng es an der Grenze wird: Bei 175 cm ergeben 87 cm Taille 0,497 und 88 cm 0,503. Der WHO-Bericht akzeptiert bei zwei Messungen aber schon eine Abweichung von bis zu 1 cm. Ein Wert direkt an der Grenze sagt dir also wenig. Miss lieber zweimal, nimm den Mittelwert und vergleiche über die Zeit.
Warum die Körpergröße den Unterschied macht
Die festen Grenzen beim Taillenumfang kennen deine Körpergröße nicht. Ein Vergleich mit 88 cm Taille:
| Körpergröße | Taille | Waist-to-Height-Ratio | Stufe laut NICE |
|---|---|---|---|
| 160 cm | 88 cm | 0,55 | erhöht |
| 175 cm | 88 cm | 0,50 | erhöht, an der Grenze |
| 190 cm | 88 cm | 0,46 | gesund |
Dieselben 88 cm führen also zu unterschiedlichen Einstufungen. Nach der Tabelle für den Taillenumfang wäre der Wert bei einer Frau in allen drei Fällen deutlich erhöht, bei einem Mann in keinem. Das zeigt, dass beide Maße nicht dasselbe aussagen. Welches im Einzelfall besser passt, klärt die Rechnung allein nicht.
Wann das Maß hilft und wann nicht
Am meisten bringt es dort, wo der BMI wenig sieht. Laut NICE-Begründung ist die Schätzung des Bauchfetts auch dann wichtig, wenn der BMI im gesunden Bereich liegt. Das gilt auch für Menschen mit familiären Wurzeln etwa in Asien oder Afrika, bei denen das Risiko laut NICE schon bei niedrigerem BMI steigen kann.
Weniger nützlich ist es bei einem BMI ab 35. Verwechsle es auch nicht mit der Waist-to-Hip-Ratio. Die teilt die Taille durch den Hüftumfang und hat laut ABDA andere Werte, unter 1,0 bei Männern und unter 0,85 bei Frauen.
Wie gut die Belege sind
Die wichtigste Quelle ist eine Metaanalyse von Ashwell et al. aus 2012 mit 31 Arbeiten und mehr als 300.000 Erwachsenen. Die Studien prüften, wie gut Körpermaße Menschen mit Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, metabolischem Syndrom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkennen. Das Taille-zu-Größe-Verhältnis schnitt um 4 bis 5 % besser ab als der BMI, der Taillenumfang um 3 %.
Eine Übersichtsarbeit von Browning et al. mit 78 Studien fand eine mittlere Trennschärfe von 0,704 für das Verhältnis, 0,693 für die Taille und 0,671 für den BMI. Die Grenze lag im Mittel bei 0,50, für Männer wie für Frauen. Daher stammt der einfache Merksatz, die Taille solle unter der halben Körpergröße bleiben.
Das ist ein Vorsprung, aber kein großer. Dazu kommen drei Einschränkungen:
- Beide Arbeiten kommen aus demselben Forschungsumfeld, Margaret Ashwell ist an beiden beteiligt.
- NICE nennt die Qualität der Belege gemischt und hält fest, dass BMI, Taille, Taille-Hüft-Verhältnis und Taille-zu-Größe-Verhältnis Risiken alle gut vorhersagen konnten.
- Der WHO-Bericht zitiert eine gemeinsame Auswertung der Physicians' Health Study und der Women's Health Study, in der die Unterschiede zwischen den Maßen klinisch wohl nicht bedeutsam waren.
Auch die Herkunft der Einteilung ist wichtig. Sie stammt aus einer britischen Leitlinie. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft nennt auf ihrer Seite zur Definition von Adipositas den BMI und den Taillenumfang, das Taille-zu-Größe-Verhältnis erwähnt sie dort nicht.
Warum ein guter Wert nicht das letzte Wort ist
Das Maß schätzt ein Risiko. Es stellt nichts fest. Die Lancet-Kommission schreibt, dass Körpermaße zwar helfen können, Risiken zu erkennen, aber kein robustes Maß für eine laufende Erkrankung sind. Ein Wert von 0,47 sagt nichts über deinen Blutdruck oder deinen Blutzucker. Ein Wert von 0,55 sagt nicht, dass du krank bist.
Mehr Aussagekraft bekommt die Zahl neben anderen Werten und im Verlauf. NICE rät bei einem Wert im erhöhten Bereich zu weiteren Untersuchungen, etwa zu einer Einschätzung des Herz-Kreislauf- und Stoffwechselrisikos. Vieles davon liegt vielleicht längst in deinen Unterlagen, nur verteilt auf mehrere Praxen. Wie du dir einen Überblick verschaffst, steht im Ratgeber Laborwerte vom Arzt bekommen. Welche weiteren Maße es gibt, vergleichen wir unter Alternativen zum BMI.

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.
- Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
- Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
- Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
- Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.
Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.
Befunde anfordern lassenWann du mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen solltest
Sprich mit deiner Praxis, wenn dein Wert bei 0,5 oder höher liegt. Das empfiehlt auch NICE. Auch die Vorsorgeuntersuchungen nach Alter sind dafür ein guter Anlass. Bei Kindern und Jugendlichen gehört die Einordnung in die Kinderarztpraxis.
Häufige Fragen
Wie berechne ich die Waist-to-Height-Ratio?
Teile deinen Taillenumfang durch deine Körpergröße, beides in Zentimetern. Das NICE-Beispiel: 96,5 cm geteilt durch 170 cm ergibt 0,57.
Gibt es für Frauen andere Grenzwerte?
Nein. Die Einteilung von NICE gilt für beide Geschlechter gleich. Das ist ein Unterschied zum Taillenumfang, bei dem Frauen und Männer getrennte Grenzen haben.
Was bedeutet ein Wert unter 0,4?
Die Einteilung von NICE beginnt bei 0,4 und ordnet tiefere Werte nicht ein. Ein niedrigerer Wert ist deshalb nicht automatisch besser. Wenn du unsicher bist oder ungewollt abgenommen hast, sprich mit deiner Praxis.
Gilt das Maß auch für Kinder und Jugendliche?
NICE nutzt es ab 5 Jahren. Die Einordnung von Kindern und Jugendlichen gehört in die Kinderarztpraxis.
Warum gilt die Einteilung nur bis BMI 35?
Laut NICE haben Menschen mit einem BMI über 35 fast immer ein hohes Verhältnis von Taille zu Größe. Das Maß ist dann womöglich keine nützliche Ergänzung.
Quellen
- NICE: Overweight and obesity management (NG246), Identifying and assessing overweight, obesity and central adiposity
- NICE: Overweight and obesity management (NG246), Rationale and impact
- Ashwell et al.: Waist-to-height ratio is a better screening tool than waist circumference and BMI for adult cardiometabolic risk factors, Obes Rev 2012
- Browning et al.: A systematic review of waist-to-height ratio as a screening tool for the prediction of cardiovascular disease and diabetes, Nutr Res Rev 2010
- WHO: Waist circumference and waist-hip ratio, report of a WHO expert consultation (2008, erschienen 2011)
- Rubino et al.: Definition and diagnostic criteria of clinical obesity, Lancet Diabetes Endocrinol 2025, DOI 10.1016/S2213-8587(24)00316-4 (PMC)
- ABDA: Bestimmung von Body-Mass-Index und Körperfettverteilung, Standardarbeitsanweisung für die Apotheke (Stand 02.2017)
- Deutsche Adipositas-Gesellschaft: Definition von Adipositas
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