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BMI bei Frauen ab 60: Warum Größe, Muskeln und Knochen dazugehören

Welcher BMI gilt für Frauen mit 60 oder 65? Warum die Zahl im Alter ungenauer wird, was die Körpergröße ändert und warum Muskeln und Knochen mitzählen.

Aktualisiert
07. November 2026

Eine Frau mit 60 oder 65 Jahren liest ihren BMI an derselben Tabelle ab wie andere Erwachsene: Laut WHO Europe heißt 18,5 bis 24,9 Normalgewicht. Deinen Wert rechnest du mit dem BMI-Rechner aus. Mit dem Alter wird die Zahl aber ungenauer, denn die Größe nimmt ab und hinter demselben Gewicht können sich andere Anteile von Muskeln, Knochen und Fett verbergen.

Warum die Zahl im Alter weniger aussagt

Die ESPEN-Leitlinie zur Ernährung im Alter sagt das deutlich: Wegen des veränderten Körperaufbaus und der abnehmenden Größe ist die Aussagekraft des BMI bei älteren Menschen, meist ab 65, eingeschränkt. Einen Konsens, wie sich das mit Adipositas verbundene Gesundheitsrisiko bei Älteren einschätzen lässt, gibt es laut Leitlinie noch nicht.

Dazu passt eine Studie von Gallagher und Kollegen: Ältere Menschen hatten bei vergleichbarem BMI mehr Körperfett als jüngere.

Die folgenden Abschnitte gehen deshalb die vier Dinge durch, die der BMI nicht zeigt: Körpergröße, Fettverteilung, Muskeln und Knochen.

Was der BMI nicht zeigtWas du oder deine Praxis ergänzen kann
Geschrumpfte KörpergrößeGröße neu messen
Fett am BauchTaillenumfang
MuskelkraftGriffkraft, Aufstehtest
KnochenRisikofaktoren klären, bei Bedarf Knochendichte

Rechenbeispiel: Die Größe verändert den BMI

In der Baltimore-Langzeitstudie mit 2.084 Erwachsenen begann der Größenverlust etwa mit 30 Jahren und beschleunigte sich mit dem Alter. Frauen verloren bis 70 im Schnitt rund 5 cm. Rein rechnerisch hebt das den BMI um etwa 1,6 Punkte, ohne dass sich am Gewicht etwas ändert.

So sieht das aus, wenn eine Frau 70 kg wiegt:

GrößeGewichtBMI
165 cm70 kg25,7
160 cm70 kg27,3

Das heißt zweierlei. Wenn du die Größe aus jungen Jahren eintippst, kommt ein niedrigerer BMI heraus, als er heute tatsächlich ist. Und wenn dein BMI über die Jahre gestiegen ist, muss das nicht nur am Gewicht liegen. Miss deine Größe deshalb neu.

Die DVO-Leitlinie zur Osteoporose nennt Größenverlust zudem als klinischen Hinweis, der eine Bildgebung der Wirbelsäule begründen kann. Sprich deine Praxis an, wenn du merklich kleiner geworden bist.

Fettverteilung: Der Bauch bleibt Thema

Nach der Menopause geht der Umbau weiter, wenn auch langsamer. In der SWAN-Studie stieg das Fett im Bauchraum danach in der weißen Referenzgruppe im Mittel um 1,47 % pro Jahr. Wie stark sich das im Übergang unterscheidet, steht im Artikel zum BMI bei Frauen ab 50.

In der RKI-Befragung von 2019/2020 hatten 56,3 % der Frauen ab 65 Übergewicht, Adipositas eingerechnet. 22,4 % hatten Adipositas, nur 41,1 % lagen im Normalgewicht. Das sind Selbstangaben, keine Messungen. Der Anteil mit Adipositas ist in dieser Altersgruppe seit 2012 unverändert. Die Taille misst du laut ABDA im Stehen zwischen unterem Rippenbogen und Beckenkamm. Als Grenzen für Frauen nennt sie 80 cm (erhöhtes Risiko) und 88 cm (deutlich erhöhtes Risiko). Alles Weitere steht im Ratgeber zum Taillenumfang.

Muskeln: Was die Waage verbirgt

Laut europäischem Sarkopenie-Konsens werden nach dem 50. Lebensjahr Verluste von 1 bis 2 % Beinmuskelmasse und von 1,5 bis 5 % Kraft pro Jahr berichtet. Geht Muskelmasse verloren, während Fett hinzukommt, kann das Gewicht gleich bleiben. Der BMI bleibt dann ebenfalls gleich.

Dafür gibt es einen eigenen Fachbegriff: sarkopene Adipositas, das Zusammentreffen von Adipositas und Muskelschwund. Das Konsenspapier von ESPEN und EASO weist auf die Grenzen des BMI bei Fettverteilung und Körperzusammensetzung hin. Am Anfang der Abklärung steht dort die Muskelfunktion.

In der Praxis werden dafür einfache Tests genutzt. Der europäische Konsens nennt als Grenzen für niedrige Kraft eine Griffkraft unter 16 kg bei Frauen und mehr als 15 Sekunden für fünfmaliges Aufstehen vom Stuhl. Das sind Werte für die fachliche Einordnung, kein Selbsttest mit Diagnose. Wie sich Muskel- und Fettmasse messen lassen, zeigt der Ratgeber Körperzusammensetzung messen.

Knochen: Warum ein niedriger BMI mitzählt

Bei diesem Thema lohnt sich der Blick auf das untere Ende der Tabelle. Die S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause nennt für Osteoporose ein zwei- bis vierfach höheres Risiko pro Lebensjahrzehnt ab 50. Als weiteren Risikofaktor führt sie Untergewicht mit einem BMI unter 20.

Das ist eine andere Grenze als in der WHO-Tabelle. Dort beginnt Untergewicht unter 18,5. Ein BMI von 19 gilt also nach WHO als normal und zählt in der Leitlinie trotzdem als Risikofaktor. Auch die DVO-Leitlinie greift die Grenze von 20 in ihren Empfehlungen zur Vorbeugung auf, ohne Zunahme in den Bereich der Adipositas. Das ist kein persönliches Ziel, sondern ein Grund, das Thema anzusprechen.

Warum ein einzelner Wert ab 60 wenig sagt

Ab 60 zählt der Verlauf noch mehr als sonst. Hat sich dein Gewicht verändert? Bist du kleiner geworden? Gab es einen Knochenbruch? Wie haben sich Blutdruck, Blutfette und Blutzucker entwickelt? Der BMI beantwortet keine dieser Fragen.

Die Antworten stecken oft in Unterlagen aus vielen Jahren, bei Hausärztin, Orthopädie, Frauenheilkunde und Klinik. Manche Praxis gibt es womöglich nicht mehr. Wie du solche Dokumente bekommst, erklärt der Ratgeber Befunde vom Arzt anfordern. Im Health Profile kannst du sie gesammelt ansehen und deiner Praxis zeigen.

Empfang einer Arztpraxis mit wartenden Patientinnen und Patienten

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.

  1. Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
  2. Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
  3. Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
  4. Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.

Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.

Befunde anfordern lassen

Wann du ärztlichen Rat suchen solltest

Sprich mit deiner Praxis, wenn du ungewollt abgenommen hast, wenn du merklich kleiner geworden bist, nach einem Knochenbruch ohne größeren Unfall oder wenn dir Alltagsdinge wie das Aufstehen schwerer fallen. Der BMI ist keine Diagnose.

Häufige Fragen

Welcher BMI ist für Frauen über 60 normal?

Die WHO-Tabelle nennt für Erwachsene 18,5 bis 24,9 als Normalgewicht und führt keine eigene Zeile ab 60. Für ältere Menschen, meist ab 65, hält die ESPEN-Leitlinie den BMI wegen Körperbau und Größe für weniger aussagekräftig.

Welche Körpergröße gebe ich in den Rechner ein?

Deine heute gemessene. Eine Langzeitstudie zeigt, dass Frauen ab etwa 30 Jahren an Größe verlieren. Die Größe aus dem alten Ausweis passt deshalb oft nicht mehr.

Gibt es ein Idealgewicht für Frauen über 60?

Die WHO-Tabelle nennt einen Bereich, keinen Idealwert. Ein weiter Bereich ist auch keine Zielvorgabe. Besprich mit deiner Praxis, was für dich sinnvoll ist. Hintergründe stehen im Artikel zum Idealgewicht bei Frauen.

Warum ist ein niedriger BMI für die Knochen wichtig?

Die S3-Leitlinie zur Menopause führt Untergewicht mit einem BMI unter 20 als Risikofaktor für Osteoporose. Auch die DVO-Leitlinie greift die Grenze von 20 in ihren Empfehlungen zur Vorbeugung auf, ohne Zunahme in den Bereich der Adipositas.

Kann ich trotz normalem BMI zu wenig Muskeln haben?

Das kann der BMI nicht ausschließen, weil Muskeln in der Rechnung nicht vorkommen. Der europäische Konsens setzt bei der Muskelkraft an, gemessen zum Beispiel mit Griffkraft oder Aufstehtest in der Praxis.

Quellen

  1. WHO Europe: Nutrition for a healthy life, WHO recommendations
  2. Volkert et al.: ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics, Clinical Nutrition 2019 (Accepted Manuscript)
  3. Sorkin et al.: Longitudinal change in height of men and women, implications for interpretation of the body mass index, Am J Epidemiol 1999
  4. Cruz-Jentoft et al. (EWGSOP2): Sarcopenia, revised European consensus on definition and diagnosis, Age and Ageing 2019
  5. Donini et al.: Definition and Diagnostic Criteria for Sarcopenic Obesity, ESPEN and EASO Consensus Statement, Obesity Facts 2022
  6. DGGG/ÖGGG: Peri- and Postmenopause, Diagnosis and Interventions, S3-Leitlinie (AWMF 015-062), Geburtshilfe Frauenheilkd 2021
  7. DVO: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose, Kurzfassung der Leitlinie 2023, Version 2.2
  8. Schienkiewitz et al. (RKI): Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland, GEDA 2019/2020-EHIS, Journal of Health Monitoring 2022
  9. Greendale et al.: Changes in Regional Fat Distribution and Anthropometric Measures Across the Menopause Transition, J Clin Endocrinol Metab 2021
  10. Gallagher et al.: How useful is body mass index for comparison of body fatness across age, sex, and ethnic groups? Am J Epidemiol 1996
  11. ABDA: Bestimmung von Body-Mass-Index und Körperfettverteilung, Standardarbeitsanweisung für die Apotheke (Stand 02.2017)

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