Ein einzelnes Idealgewicht gibt es nicht. Fachlich lässt sich dein Gewicht nur als Bereich einordnen, bei Erwachsenen meist über einen BMI von 18,5 bis 24,9. Deinen Wert berechnet unser BMI-Rechner aus Größe und Gewicht.
Woher der Begriff Idealgewicht kommt
Das Wort klingt nach Medizin, die ersten Standards kamen aber aus der Versicherungswelt. Lebensversicherer nutzten Gewichtstabellen, um Risiken einzuschätzen. Laut der Historie von Katherine Flegal wurden daraus nach und nach Empfehlungen für alle, vom durchschnittlichen zum idealen Gewicht. Die Metropolitan Life Insurance Company prägte das in den 1940er-Jahren mit Tabellen für ideale Gewichte.
Diese Tabellen beruhten laut einem Editorial im American Journal of Clinical Nutrition auf den Gewichten versicherter Menschen von 20 bis 29 Jahren. Sie stehen also für eine bestimmte Gruppe, nicht für alle.
Genau daran setzte die Kritik an. Ein Beitrag in JAMA empfahl schon 1983, das Konzept aufzugeben. Zwei Jahre später hielt ein Beitrag in den Annals of Internal Medicine fest: Das Gewicht mit dem geringsten Risiko unterscheidet sich je nach Bevölkerung, Zeitpunkt und Todesursache. Für eine Person außerhalb der Tabellengruppe lasse es sich nicht bestimmen.
Später verschwanden die Wörter „ideal“ und „desirable“ aus den Tabellen, weil sie falsch verstanden wurden. So beschreibt es ein Kommentar von 2021. Dessen Autorinnen fragen, ob „realistisches Körpergewicht“ der bessere Begriff wäre.
Die Broca-Formel: einfach, alt und ungenau
Eine bekannte Faustregel lautet: Körpergröße in Zentimetern minus 100 ergibt das Gewicht in Kilogramm. Sie wird dem französischen Arzt Paul Broca zugeschrieben und auf etwa 1871 datiert. Flegal weist darauf hin, dass ihr Ursprung im Dunkeln liegt.
Ein Lehrskript der Charité von 2006 führt das Ergebnis als Normalgewicht. Das Idealgewicht liegt dort 10 % darunter bei Männern und 15 % darunter bei Frauen. Das Skript schreibt zugleich, der Begriff werde in der Medizin nicht mehr verwendet.
Rechnest du Broca in den BMI um, siehst du das Problem:
| Körpergröße | BMI nach Broca | mit 10 % Abschlag | mit 15 % Abschlag |
|---|---|---|---|
| 150 cm | 22,2 | 20,0 | 18,9 |
| 160 cm | 23,4 | 21,1 | 19,9 |
| 170 cm | 24,2 | 21,8 | 20,6 |
| 180 cm | 24,7 | 22,2 | 21,0 |
| 190 cm | 24,9 | 22,4 | 21,2 |
| 200 cm | 25,0 | 22,5 | 21,3 |
Dieselbe Formel gibt also je nach Größe einen anderen BMI vor. Bei 200 cm erreicht sie die Schwelle zum Übergewicht. Mit 15 % Abschlag bei 150 cm landet sie nah an der unteren Grenze des Normalbereichs. Der Kommentar von 2021 beschreibt das allgemein: Solche Formeln liefern über die Körpergrößen hinweg keine einheitlichen BMI-Werte. Für die eigene Einordnung taugt Broca deshalb nicht. Die Körperzusammensetzung berücksichtigt die Formel ebenfalls nicht, so wie der BMI auch.
Idealgewicht und Normalgewicht sind nicht dasselbe
Normalgewicht ist ein klar definierter Bereich. Die WHO Europe nennt dafür einen BMI von 18,5 bis 24,9. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nutzt dieselben Grenzen. Mehr dazu liest du im Ratgeber zum Normalgewicht.
Beim Idealgewicht gibt es dagegen keine einheitliche Rechnung. Der Kommentar von 2021 nennt mehrere Formeln und beschreibt, dass das Modell in Klinik und Forschung trotz bekannter Schwächen weiter genutzt wird, etwa für Ernährungspläne. Die Aussage des Charité-Skripts von 2006 gilt also nicht uneingeschränkt. Ein Rechner, der dir eine einzige Zahl ausgibt, wirkt deshalb genauer, als er ist.
Was große Daten über die eine Zahl sagen
Die Lancet-Auswertung der Global BMI Mortality Collaboration von 2016 zeigt, wie flach die Kurve in der Mitte verläuft. Die Hauptanalyse umfasste rund 3,95 Millionen Menschen, die nie geraucht hatten, zu Beginn keine bestimmten chronischen Erkrankungen hatten und die ersten fünf Jahre überlebten.
| BMI | Sterberisiko im Vergleich zu BMI 22,5 bis unter 25 |
|---|---|
| 15 bis unter 18,5 | 1,51-fach |
| 18,5 bis unter 20 | 1,13-fach |
| 20 bis unter 22,5 | 1,00-fach |
| 25 bis unter 27,5 | 1,07-fach |
| 27,5 bis unter 30 | 1,20-fach |
| 30 bis unter 35 | 1,45-fach |
Zwischen 20 und unter 25 gibt es also keinen sichtbaren Spitzenplatz. Zu den Rändern hin steigt das Risiko. Das sind Beobachtungen an großen Gruppen. Sie sagen nichts darüber, was für dich persönlich gilt, und sie belegen keine Ursache.
Idealgewicht nach Größe: der Bereich in Kilogramm
Statt einer Zahl hilft dir dieser Bereich für BMI 18,5 bis 24,9. Weitere Größen findest du in der BMI-Tabelle.
| Körpergröße | Normalbereich |
|---|---|
| 150 cm | 41,6 bis 56,0 kg |
| 160 cm | 47,4 bis 63,7 kg |
| 170 cm | 53,5 bis 72,0 kg |
| 180 cm | 59,9 bis 80,7 kg |
| 190 cm | 66,8 bis 89,9 kg |
| 200 cm | 74,0 bis 99,6 kg |
Das ist keine Zielvorgabe. Die Tabelle beschreibt, wo ein Gewicht einzuordnen ist, nicht wo du hinsolltest.
Idealgewicht im Alter
Die WHO-Tabelle gilt für Erwachsene über 20 Jahre und führt keine Altersstufen. Trotzdem gab es solche Vorschläge: Ein US-Bericht von 1989 nannte laut Flegal einen wünschenswerten BMI von 20 bis 25 für 25- bis 34-Jährige und von 24 bis 29 für Menschen über 65.
In der WHO-Einteilung findet sich das nicht wieder. Die Frage bleibt aber berechtigt. In einer Metaanalyse mit Menschen ab 65 war Übergewicht nicht mit einem höheren Sterberisiko verbunden, Werte unter 23 dagegen schon.
Warum das Gewicht allein wenig sagt
Selbst der Bereich ist nur ein grobes Raster. Zwei Menschen mit gleichem Gewicht können ganz unterschiedlich gebaut sein. Ob dein Gewicht zu dir passt, zeigt sich erst mit anderen Angaben: Wie viel davon ist Muskel oder Fett, wo sitzt das Fett, und wie haben sich Blutdruck, Blutzucker und Blutfette über die Jahre entwickelt?
Diese Werte liegen meist verstreut in mehreren Praxen. Wer alte und neue Befunde in einem Health Profile zusammenführt, sieht einen Verlauf statt einer Momentaufnahme. Wie du an die Unterlagen kommst, steht im Ratgeber Befunde vom Arzt anfordern.

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.
- Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
- Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
- Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
- Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.
Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.
Befunde anfordern lassenWann du mit einer Praxis sprechen solltest
Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn dein Gewicht ungewollt stark schwankt oder dein BMI unter 18,5 oder ab 30 liegt. Das gilt auch, wenn dich die Frage nach dem richtigen Gewicht belastet. Für Kinder und Jugendliche passt diese Tabelle nicht: Sie werden über Perzentilen eingeordnet.
Häufige Fragen
Wie berechne ich mein Idealgewicht?
Eine anerkannte Rechnung für eine ideale Zahl gibt es nicht. Sinnvoller ist der Normalbereich: Größe in Metern zum Quadrat, mal 18,5 und mal 24,9. Das ergibt die untere und obere Grenze in Kilogramm. Die Einteilung stammt von der WHO Europe.
Was ist der Unterschied zwischen Idealgewicht und Normalgewicht?
Normalgewicht ist ein fester Bereich der BMI-Einteilung. Für das Idealgewicht gibt es keine einheitliche Rechnung, sondern mehrere Formeln.
Stimmt die Regel Körpergröße minus 100?
Sie ist eine alte Faustformel, die sogenannte Broca-Formel. Für kleine Menschen ergibt sie einen deutlich niedrigeren BMI als für große. Für die Einordnung taugt deshalb der BMI-Bereich besser.
Ist die Mitte des Normalbereichs das Idealgewicht?
Nein. Die Einteilung nennt keinen besten Punkt innerhalb des Bereichs. In einer großen Auswertung lag das Sterberisiko von BMI 20 bis unter 25 praktisch gleich hoch.
Ändert sich das Idealgewicht im Alter?
Die WHO-Einteilung führt für Erwachsene über 20 Jahre keine Altersstufen. Studien mit Menschen ab 65 zeigen aber, dass niedrige Werte im Normalbereich dort mit einem höheren Risiko verbunden waren (Winter et al.).
Quellen
- WHO Europe: Nutrition for a healthy life, WHO recommendations
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Übergewicht und Adipositas
- Flegal: How body size became a disease. A history of the body mass index and its rise to clinical importance, Routledge Handbook of Critical Obesity Studies 2022
- Chichester et al.: Ideal body weight, a commentary, Clinical Nutrition ESPEN 2021
- Sorkin: BMI, age, and mortality, Am J Clin Nutr 2014
- Knapp: A methodological critique of the ideal weight concept, JAMA 1983
- Harrison: Height-weight tables, Ann Intern Med 1985
- Koralewski (Charité): Körperzusammensetzung und Energiehaushalt, Lehrskript Bioinformatik SS 2006
- The Global BMI Mortality Collaboration: Body-mass index and all-cause mortality, Lancet 2016
- Winter et al.: BMI and all-cause mortality in older adults, a meta-analysis, Am J Clin Nutr 2014
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