Für die Verbeamtung gibt es keinen gesetzlichen BMI-Grenzwert. Bei aktuell Dienstfähigen ist entscheidend, ob eine vorzeitige Dienstunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist, und das wird im Einzelfall geprüft. Deinen aktuellen Wert siehst du im BMI-Rechner.
Dieser Ratgeber erklärt die Rechtslage allgemein und ist keine Rechtsberatung.
Was das Gesetz sagt
Nach § 9 Beamtenstatusgesetz und § 9 Bundesbeamtengesetz zählen Eignung, Befähigung und fachliche Leistung. Eine Zahl für Größe oder Gewicht steht dort nicht.
Der Maßstab kommt aus der Rechtsprechung. Das Bundesverwaltungsgericht hat ihn 2013 neu gefasst: Aktuell dienstfähigen Bewerbenden darf die Eignung nur abgesprochen werden, wenn tatsächliche Anhaltspunkte eine Dienstunfähigkeit vor der Altersgrenze überwiegend wahrscheinlich machen. Die Behörde hat dabei keinen Beurteilungsspielraum, Gerichte prüfen die Entscheidung voll nach.
2025 hat das Gericht präzisiert, was „überwiegend“ heißt: mehr als 50 %. Ein höheres Risiko als in der Bevölkerung genügt allein also nicht. Das Urteil betraf einen Polizeibewerber, der Leitsatz stellt aber klar, dass derselbe Prognosemaßstab wie im allgemeinen Verwaltungsdienst gilt. Dazu kommt ein zweiter Prüfpunkt: Die Eignung fehlt laut Berliner Senat auch, wenn über Jahre regelmäßige krankheitsbedingte Ausfälle und deshalb eine erheblich geringere Lebensdienstzeit überwiegend wahrscheinlich sind.
Wie Gerichte entschieden haben
Keine dieser Entscheidungen legt einen Grenzwert für alle fest. Sie zeigen, worauf es ankam. Die beiden Entscheidungen von 2012 stammen aus der Zeit vor der Änderung von 2013, als noch ein strengerer Maßstab galt.
| BMI | Fall | Gericht und Datum | Ausgang |
|---|---|---|---|
| 34 | Lehrerin auf Probe, Adipositas Grad I | BayVGH, 13.04.2012 | Erfolg für die Klägerin: Grad I allein trägt die negative Prognose nicht |
| 36 | Lehrkraft, zusätzlich Krampfadern an beiden Beinen | OVG Niedersachsen, 31.07.2012 | Klage erfolglos: BMI über 35 bei Adipositas als tauglicher Indikator |
| 37,5 | Klägerin mit Adipositas Grad II, Fettverteilung als Argument | BVerwG, 13.12.2013 | Zurück an das OVG: Beweisgrundlage war noch zu klären |
| 40 | Steueranwärter, BMI neben mehreren weiteren Erkrankungen | VGH München, 01.12.2025 | Eilantrag erfolglos: Adipositas ab BMI 35, jedenfalls ab 40, als tauglicher Indikator; die überwiegende Wahrscheinlichkeit blieb im Eilverfahren ungeklärt |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens kam in beiden Fällen mit negativem Ausgang etwas zum BMI hinzu. Der VGH München sieht Adipositas ab BMI 35 aber schon für sich genommen als nicht unerheblichen Risikofaktor. Zweitens betont das OVG Niedersachsen selbst, dass nicht der Zahlenwert maßgeblich ist, sondern eine amtsärztlich festgestellte Adipositas. Der Grund: Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskeln.
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Frage, ob der BMI ein geeigneter Indikator ist, als Tatsachenfrage behandelt und nicht grundsätzlich beantwortet. Es verlangt aber, dass Statistiken auf einer belastbaren Basis beruhen und dass eine ärztliche Einschätzung belegt ist.
Was der Amtsarzt prüft
Für Berlin hat der Senat die Praxis mehrfach beschrieben. Das Vorgehen anderer Länder kann davon abweichen.
- Gemessen wird mehr als das Gewicht: Der Untersuchungsbefund berücksichtigt Größe, Gewicht und Körperbau, Seh- und Hörvermögen, Puls und Blutdruck (Stand März 2024). Auch der Bauchumfang gehört dazu (Stand Juni 2024). Wie du ihn misst, steht im Ratgeber zum Taillenumfang.
- BMI über 30: Dann folgt in Berlin weiterführende Diagnostik zum Ausschluss zusätzlicher Krankheiten oder Risikofaktoren (Stand März 2024). Das ist eine Prüfstufe, keine Ablehnung.
- Kein starrer Wert: Eine strenge Orientierung am BMI ist laut Senat nicht möglich. Er könne allenfalls ein Aspekt sein, der erst zusammen mit anderen Umständen zur Nichteignung führt (Stand Oktober 2022).
- Wer entscheidet: Die Ärztin oder der Arzt gibt eine Stellungnahme ab. Die Dienstbehörde entscheidet.
Die Zahlen zeigen trotzdem, dass das Gewicht eine Rolle spielt. In den unvollständigen Berliner Daten für 2022 wurden 139 Personen wegen fehlender gesundheitlicher Eignung nicht verbeamtet, 61 davon auch wegen Adipositas (Stand 10. Oktober 2022). Das sind Fallzahlen aus einem Land, keine Ablehnungsquote. Wie viele Bewerbende insgesamt geprüft wurden, nennt die Antwort nicht.
Warum dein BMI allein das Gutachten nicht trägt
Der Senat schreibt, dass BMI und Bauchumfang immer im Kontext aller Befunde zu bewerten sind. Das Gutachten stellt also eine Langzeitprognose. Dafür zählen alle erhobenen und vorliegenden Befunde.
Weicht eine näher erläuterte Stellungnahme deiner behandelnden Praxis von der amtsärztlichen Beurteilung ab, muss die Amtsärztin oder der Amtsarzt laut VGH München darauf eingehen und nachvollziehbar begründen, warum sie oder er ihr nicht folgt. Solche Unterlagen liegen aber meist verstreut bei verschiedenen Praxen. Wie du sie bekommst, erklärt der Ratgeber Befunde vom Arzt anfordern. Falls du zugleich eine Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung beantragst, lies auch, wie Versicherer den BMI prüfen.

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.
- Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
- Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
- Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
- Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.
Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.
Befunde anfordern lassenSonderfall Polizei und andere Vollzugsdienste
Im Vollzugsdienst kommen besondere körperliche Anforderungen dazu. Dort gibt es auch veröffentlichte BMI-Werte. Sie gelten nicht für die allgemeine Verbeamtung als Lehrkraft oder in der Verwaltung. Die Übersicht steht im Ratgeber zum BMI bei der Polizei. Für den Dienst als Soldatin oder Soldat gilt ein eigenes System, das im Artikel zum BMI bei der Bundeswehr erklärt wird.
Wenn die Verbeamtung abgelehnt wird
Eine Ablehnung muss nicht das Ende im öffentlichen Dienst sein. In Berlin können abgelehnte Bewerbende grundsätzlich als Tarifbeschäftigte eingestellt werden, wenn sie persönlich und fachlich geeignet sind und die Gesundheit einem Arbeitsverhältnis nicht entgegensteht. Das ist laut Senat nicht mit Auflagen und nicht mit einer Zusage zur Verbeamtung verbunden. Eine spätere neue Bewerbung bleibt dort möglich (Stand Oktober 2022). Ob das in deinem Land genauso läuft, klärt deine Einstellungsbehörde.
So ordnest du deinen Wert ein
Der BMI ist eine Rechnung aus Größe und Gewicht. Fett und Muskeln kommen darin nicht vor. Wo dein Wert in der WHO-Einteilung liegt, sagt deshalb noch nichts über deine Prognose im Gutachten.
Plane früh, wenn dein Wert über 30 liegt oder du Vorerkrankungen hast. Frag bei deiner Einstellungsbehörde nach, wie die Untersuchung in deinem Land abläuft. Bei einem konkreten Bescheid hilft rechtlicher Rat von einer Fachanwältin, einem Fachanwalt oder deiner Gewerkschaft weiter. Sprich mit deiner Praxis, wenn dich das Thema belastet oder sich dein Gewicht ungewollt stark verändert.
Häufige Fragen
Welcher BMI ist für die Verbeamtung erlaubt?
Im Beamtenstatusgesetz und im Bundesbeamtengesetz steht kein BMI-Wert. Die Eignung wird im Einzelfall geprüft. Der BMI ist dabei ein Befund unter mehreren.
Gilt für Lehrkräfte etwas anderes?
Einen eigenen BMI-Wert für Lehrkräfte haben wir in Gesetzen und Gerichtsentscheidungen nicht gefunden. In den Verfahren aus Bayern und Niedersachsen ging es um Lehrkräfte. Der Maßstab war die allgemeine Eignungsprognose.
Gibt es einen BMI-Wert für Hessen oder Niedersachsen?
Für beide Länder haben wir keinen amtlich veröffentlichten BMI-Grenzwert für die allgemeine Verbeamtung gefunden. Für Niedersachsen gibt es das OVG-Urteil von 2012 zu einer Lehrkraft mit BMI 36. Das Urteil sieht bei Adipositas einen BMI über 35 als tauglichen Indikator für mangelnde Eignung, nennt aber keine feste Grenze für alle Bewerbenden.
Wer muss was beweisen?
Für Bewerbende im Polizeidienst hat das Bundesverwaltungsgericht 2025 entschieden: Die aktuelle Eignung muss die Bewerberin oder der Bewerber belegen. Für die Prognose bis zur Altersgrenze trägt der Dienstherr die Beweislast. Der Prognosemaßstab ist derselbe wie im allgemeinen Verwaltungsdienst.
Was kann ich tun, wenn ich abgelehnt wurde?
Das hängt von deinem Bescheid, deiner Rechtsbehelfsbelehrung und deinem Fall ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Wende dich dazu an eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht oder deine Gewerkschaft.
Quellen
- § 9 BeamtStG: Kriterien der Ernennung
- § 9 BBG: Auswahlkriterien
- BVerwG, Urteil vom 25.07.2013, 2 C 12.11
- BVerwG, Beschluss vom 13.12.2013, 2 B 37.13
- BVerwG, Urteil vom 13.02.2025, 2 C 4.24
- BayVGH, Beschluss vom 13.04.2012, 3 BV 08.405 (Landesanwaltschaft Bayern)
- OVG Niedersachsen, Urteil vom 31.07.2012, 5 LB 33/11
- VGH München, Beschluss vom 01.12.2025, 3 CE 25.2116
- Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/13415, Gewichtsdiskriminierung bei der Verbeamtung (13.10.2022)
- Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/18330, Verbeamtung von Lehrkräften und gesundheitliche Eignung (06.03.2024)
- Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/19157, Verbeamtung und Lehrkräftemangel (06.06.2024)
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