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BMI beim Mann ab 60: Warum der Wert steigen kann, obwohl die Waage gleich bleibt

BMI bei Männern ab 60: Normalbereich, Durchschnitt mit 60 und 65, warum schrumpfende Körpergröße den Wert anhebt und welche Vorsorge jetzt dazukommt.

Aktualisiert
07. November 2026

Für Männer ab 60 führt die WHO-Tabelle keine eigenen Werte: 18,5 bis 24,9 gilt als Normalgewicht. Dein BMI kann aber auch steigen, ohne dass du zunimmst, denn die Körpergröße nimmt mit dem Alter ab. Rechne deshalb im BMI-Rechner mit deiner aktuell gemessenen Größe, nicht mit der aus dem Ausweis.

Wo Männer ab 60 stehen

In den gemessenen Daten der DEGS1-Studie des RKI war der mittlere BMI bei den 60- bis 69-jährigen Männern mit 28,8 so hoch wie in keiner anderen Altersgruppe. Der Mikrozensus 2025 liefert aktuellere Zahlen, beruht aber auf Angaben der Befragten:

Erhebung und AlterGröße im SchnittGewicht im SchnittBMI im SchnittBMI 18,5 bis unter 25BMI ab 30
Mikrozensus 2025, 60 bis unter 65179,1 cm88,8 kg27,728,2 %24,1 %
Mikrozensus 2025, 65 bis unter 70178,1 cm87,6 kg27,628,8 %24,8 %
DEGS1 2008 bis 2011, 60 bis 69, gemessen174,1 cm87,3 kg28,815,9 %33,1 %

Nach den Messdaten lag also nur etwa jeder sechste Mann in diesem Alter im Normalbereich. Beim Vergleich der Zeilen fällt die Größe auf: Sie unterscheidet sich um 4 bis 5 cm. Das kann teils an anderen Jahrgängen liegen, teils daran, dass die Größe bei Selbstangaben laut RKI eher überschätzt wird. Genau diese Zentimeter ändern den BMI.

Warum 3 cm den BMI verändern

Der BMI teilt durch die Größe zum Quadrat. Wirst du kleiner, steigt der Wert auch bei gleichem Gewicht. In der Baltimore-Langzeitstudie mit 2.084 Menschen begann der Größenverlust im Schnitt um das 30. Lebensjahr und wurde mit dem Alter schneller. Männer verloren von 30 bis 70 im Schnitt rund 3 cm. Das allein hebt den BMI bis 70 laut den Autoren um etwa 0,7, sie sprechen von einem künstlichen Anstieg.

So sieht das bei einem Mann aus, der immer 85 kg wiegt. Hier machen 3 cm rund 0,9 aus, der genaue Wert hängt von Größe und Gewicht ab:

GrößeGewichtBMI
178 cm85 kg26,8
176 cm85 kg27,4
175 cm85 kg27,8
173 cm85 kg28,4

Die Studie stammt aus den USA und deckt die Jahre 1958 bis 1993 ab. Dein eigener Verlauf kann anders sein. Das RKI nennt als Grund den Verlust von Knochenmasse und die Verkürzung der Wirbelsäule im fortgeschrittenen Alter. Dass ältere Männer in Querschnitten kleiner sind, liegt laut RKI aber teils auch daran, dass jüngere Jahrgänge größer aufgewachsen sind.

Praktisch heißt das: Lass deine Größe beim nächsten Praxisbesuch messen. Vergleichst du Werte über die Jahre, schau zuerst auf das Gewicht in Kilogramm und erst dann auf den BMI.

Was mit den Muskeln passiert

Eine zweite Veränderung kann der BMI gar nicht zeigen. Nimmt die Muskelmasse ab und das Fett zu, kann das Gewicht gleich bleiben und damit auch der BMI. Laut einer Übersichtsarbeit liegt der Verlust an Muskelmasse bei Männern in Querschnittsstudien im Median bei 0,47 % pro Jahr, das sind 4,7 % pro Jahrzehnt. Bei 75-Jährigen liegt die Rate in Langzeitstudien schon bei 0,80 bis 0,98 % pro Jahr.

Noch schneller geht die Kraft zurück. Studien, die beides in derselben Gruppe erfasst haben, fanden einen zwei- bis fünfmal schnelleren Verlust der Kraft als der Masse. Die Autoren bewerten den Kraftverlust als beständigeren Risikofaktor für Behinderung und Tod als den Verlust der Masse. Für dich heißt das: Wenn dir Treppen, Tragen oder Aufstehen schwerer fallen als früher, ist das ein Thema für die Praxis, auch wenn der BMI unverändert ist.

Wer die Verteilung genauer kennen will, findet die Verfahren unter Körperzusammensetzung messen.

Die Taille bleibt das einfachste Maß

Das Maßband ist für Männer ab 60 weiterhin das schnellste Zusatzwerkzeug. Die ABDA nennt ab 94 cm ein erhöhtes und ab 102 cm ein deutlich erhöhtes Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen. Eigene Grenzen für ältere Männer führt sie nicht auf. Anders als beim BMI geht die Körpergröße in diese Zahl nicht ein. Mehr dazu steht im Ratgeber zum Taillenumfang.

Was ab 60 und 65 bei der Vorsorge zählt

Mit 65 kommt für Männer eine Untersuchung dazu. Laut gesundheitsinformation.de bieten die gesetzlichen Krankenkassen Männern ab 65 einmalig eine Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader an. Etwa 2 % der Männer von 65 bis 75 haben ein solches Aneurysma. Die Untersuchung verringert das Risiko, dass es reißt und sie daran sterben. Sie kann aber auch zu Überdiagnosen führen, die Entscheidung ist deshalb persönlich.

Daneben laufen die Angebote weiter, die du aus den Jahren davor kennst: Check-up alle drei Jahre, Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre, Prostata-Untersuchung jährlich und Darmkrebs-Früherkennung. Die Tabelle nach Alter zeigt alles auf einen Blick.

Auch der Blutdruck gehört neben den BMI. Laut RKI hatten 2014/2015 fast zwei Drittel der Männer ab 65 einen bekannten Bluthochdruck, genau 65,1 %.

Warum dein BMI jetzt nur im Verlauf etwas sagt

Größe, Muskeln und Fettverteilung verändern sich, während der BMI gleich bleiben oder steigen kann. Ein einzelner Wert kann das nicht auseinanderhalten. Sinnvoll wird er erst neben früheren Werten: Gewicht vor zehn Jahren, Größe von damals, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette aus alten Check-ups. Wer über Jahrzehnte verschiedene Praxen hatte, muss diese Unterlagen oft erst zusammensuchen. Wie lange sie aufbewahrt werden, erklärt der Ratgeber zur Aufbewahrungsfrist der Patientenakte.

Empfang einer Arztpraxis mit wartenden Patientinnen und Patienten

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.

  1. Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
  2. Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
  3. Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
  4. Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.

Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.

Befunde anfordern lassen

Wann du mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen solltest

Der BMI ist keine Diagnose. Sprich mit deiner Praxis, wenn du ungewollt zu- oder abnimmst, wenn du deutlich an Größe verlierst, wenn deine Kraft nachlässt oder wenn dein BMI bei 30 oder höher liegt.

Häufige Fragen

Welcher BMI ist für einen Mann mit 60 normal?

Die WHO-Tabelle nennt 18,5 bis 24,9 als Normalgewicht für Erwachsene und führt keine eigene Spalte für dieses Alter. Im Mikrozensus 2025 kommen Männer von 60 bis unter 65 im Schnitt auf 27,7. Das beschreibt, was verbreitet ist, und ist kein Zielwert.

Ist ein BMI von 28 mit 65 Jahren schlimm?

Der Wert zählt als Präadipositas und liegt nahe am Durchschnitt deiner Altersgruppe. Ob er für dich ein Problem ist, zeigt erst das Gesamtbild aus Taille, Blutdruck, Blutwerten und Kraft im Alltag. Das bespricht du am besten in deiner Praxis.

Warum werde ich im Alter kleiner?

Das RKI nennt den Verlust von Knochenmasse und die damit einhergehende Verkürzung der Wirbelsäule im fortgeschrittenen Alter. In einer US-Langzeitstudie begann der Größenverlust im Schnitt schon um 30 und wurde mit dem Alter schneller.

Sollte ich als älterer Mann abnehmen, wenn mein BMI über 25 liegt?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die ESPEN-Leitlinie sieht Reduktionsdiäten bei älteren Menschen, meist ab 65, kritisch, weil dabei Muskelmasse verloren gehen kann. Die Entscheidung gehört in die Praxis.

Zahlt die Kasse den Ultraschall der Bauchaorta?

Ja, gesetzlich versicherte Männer ab 65 können ihn einmalig wahrnehmen. Die Teilnahme ist eine persönliche Entscheidung, denn neben dem Nutzen gibt es auch Überdiagnosen.

Quellen

  1. WHO Europe: Nutrition for a healthy life, WHO recommendations
  2. Mensink et al. (RKI): Übergewicht und Adipositas in Deutschland, Ergebnisse der DEGS1, Bundesgesundheitsblatt 2013
  3. Statistisches Bundesamt: Körpermaße nach Altersgruppen und Geschlecht, Mikrozensus 2025 (Erstergebnisse, Stand 21.04.2026)
  4. Schienkiewitz et al. (RKI): Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland, GEDA 2019/2020-EHIS, Journal of Health Monitoring 2022
  5. Sorkin, Muller, Andres: Longitudinal change in height of men and women, Baltimore Longitudinal Study of Aging, American Journal of Epidemiology 1999
  6. Mitchell et al.: Sarcopenia, dynapenia, and the impact of advancing age on human skeletal muscle size and strength, Frontiers in Physiology 2012
  7. ABDA: Bestimmung von Body-Mass-Index und Körperfettverteilung, Standardarbeitsanweisung für die Apotheke (Stand 02.2017)
  8. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Aneurysma der Bauchschlagader (Bauchaorten-Aneurysma)
  9. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Welche Früherkennungsuntersuchungen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse?
  10. Neuhauser et al. (RKI): 12-Monats-Prävalenz von Bluthochdruck in Deutschland, GEDA 2014/2015-EHIS, Journal of Health Monitoring 2017
  11. Volkert et al.: ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics, Clinical Nutrition 2022

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