Die ePA hat einen klaren Vorteil: Befunde, Arztbriefe und deine Medikationsliste aus aktuellen Behandlungen liegen für die nächste Praxis bereit, ohne dass du Papier mitbringen musst. Ihr größter Nachteil: Sie ist noch dünn. Nach einem Jahr lagen im Schnitt rund 1,4 Dokumente in jeder Akte, Befunde von vor 2025 fehlen fast immer. Ob sie sich für dich lohnt, hängt davon ab, wie oft du in Behandlung bist und was du von ihr erwartest.
Die ePA in Zahlen
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Angelegte Akten | rund 73 Millionen | gematik, April 2026 |
| Eingestellte Dokumente seit Start | mehr als 100 Millionen | gematik, April 2026 |
| Dokumente pro Akte im Schnitt | rund 1,4 | eigene Berechnung aus den gematik-Zahlen |
| Davon Befundberichte / Arztbriefe | rund 59 Mio. / knapp 25 Mio. | KBV, April 2026 |
| Praxen mit ePA-Zugriff pro Woche | bis zu 93.000 | gematik, April 2026 |
| Abrufe der Medikationsliste pro Woche | mehr als 21 Millionen | gematik, April 2026 |
| Aktiv genutzte Akten bei großen Kassen | 3,6 Prozent | RND-Umfrage, Pharmazeutische Zeitung, Januar 2026 |
| Befragte mit Widerspruch oder Löschung | 9 Prozent der Versicherten, die die ePA kennen | forsa für vzbv, November 2025 |
Das Bild ist zweigeteilt: Praxen nutzen die ePA inzwischen breit, vor allem die Medikationsliste. Die Versicherten schauen kaum hinein, und in den meisten Akten liegt wenig. Zwei Einschränkungen: Die 3,6 Prozent stammen aus einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland bei mehreren großen Kassen, nicht aus einer offiziellen Gesamtstatistik. Und 1,4 ist ein Durchschnitt: Wer seit Herbst 2025 öfter in Behandlung war, hat mehr in der Akte, viele andere gar nichts. Eine Einordnung je Dokumenttyp liefert der ePA-Check.
Die Vorteile der ePA
Befunde reisen mit. Seit 1. Oktober 2025 müssen Kassenpraxen und Kliniken Laborbefunde, Befundberichte, elektronische Arztbriefe und Entlassbriefe aus der aktuellen Behandlung einstellen (§ 347 SGB V). Bei Überweisung oder Praxiswechsel kann die nächste Praxis sie abrufen. Was genau Pflicht ist, steht im Ratgeber Muss dein Arzt die ePA befüllen?.
Medikationsliste ohne Zutun. Aus jedem E-Rezept entsteht automatisch ein Eintrag. Über 21 Millionen Abrufe pro Woche zeigen, dass Praxen und Apotheken die Liste tatsächlich nutzen.
Funktioniert ohne App. Beim Stecken der Gesundheitskarte bekommt die Praxis standardmäßig 90 Tage Zugriff, eine Apotheke drei Tage.
Kontrolle und Protokolle. Mit der App siehst du, was drin steht, kannst Dokumente verbergen, Zugriffszeiten ändern und Einrichtungen sperren. Jeder Zugriff wird protokolliert, ohne App bekommst du die Protokolle über die Ombudsstelle deiner Kasse.
Vertretung möglich. Bis zu fünf Personen, etwa Angehörige, können deine Akte für dich verwalten.
Die Nachteile der ePA
Für die Vergangenheit fast leer. Pflicht sind nur Daten aus der aktuellen Behandlung. Ältere Befunde dürfen Praxen nachtragen, müssen es aber nicht (§ 347 Abs. 2 SGB V). Deine Vorgeschichte, die bei einem neuen Arzt oft am meisten interessiert, steht meist nicht drin.
Nicht jede Praxis befüllt. Reine Privatpraxen sind nicht verpflichtet. Unter 1.149 Rückmeldungen an den Verbraucherzentrale Bundesverband finden sich Schilderungen, dass Praxen die ePA nicht nutzen oder relevante Daten nicht hochladen. Wie häufig das ist, lässt sich daraus laut vzbv nicht ableiten.
Grobe Steuerung. Ein verborgenes Dokument verbirgst du laut gematik vor allen Einrichtungen gleichzeitig. Abrechnungsdaten lassen sich nur als Ganzes verbergen. In der vzbv-Befragung wünschen sich 68 Prozent, genauer festlegen zu können, wer welche Daten sieht.
Hürden beim Einrichten. Der vzbv nennt komplizierte Einrichtung und schwer verständliche Freischaltung als häufige Beschwerden. Die Wege je Kasse zeigt der Ratgeber ePA einrichten.
Ablage statt Überblick. Die ePA sammelt Dokumente, etwa als PDF. Wie sich ein Laborwert über die Jahre entwickelt hat, musst du dir aus einzelnen Befunden selbst zusammensuchen. Aus Röntgen, CT oder MRT kommt nur der Bericht in die Akte, nicht die Bilder.
Forschung per Opt-out. ePA-Daten sollen pseudonymisiert an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit gehen, wenn du nicht widersprichst (§ 363 SGB V). Laut vzbv-Befragung wissen nur 25 Prozent davon.
Lohnt sich die ePA für dich?
Eine Faustregel, keine Empfehlung im Einzelfall:
| Deine Situation | Einschätzung |
|---|---|
| Mehrere Ärztinnen und Ärzte, regelmäßige Medikamente | Medikationsliste und mitreisende Befunde helfen am meisten |
| Häufige Überweisungen oder Klinikaufenthalte | Arzt- und Entlassbriefe liegen an einem Ort |
| Selten beim Arzt, eine Hausarztpraxis | Wenig Nutzen, aber auch kaum Aufwand |
| Sensible Diagnosen | Teilwidersprüche und Verbergen nutzen oder ganz widersprechen |
| Du willst deine komplette Vorgeschichte digital | Dafür reicht die ePA allein nicht |
Ob bestimmte Informationen für deine Behandlung wichtig sind, besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Du musst dich auch nicht zwischen ganz oder gar nicht entscheiden: Einzelne Praxen sperren, der Medikationsliste, den Abrechnungsdaten oder der Forschung widersprechen geht jeweils einzeln. Alle Varianten erklärt der Ratgeber der ePA widersprechen.
Die größte Lücke selbst schließen: Warum das aufwendig ist
Wer sich für die ePA entscheidet, hat damit noch keine vollständige Gesundheitsgeschichte. Befunde vor 2025, Unterlagen aus Privatpraxen und Bildgebung musst du dir selbst besorgen. Das Recht dazu hast du: Jede Praxis muss dir eine Kopie deiner Behandlungsakte geben, die erste kostenlos (§ 630g BGB). Der Weg ist trotzdem mühsam:
- Alle Behandler der letzten Jahre finden. Das klappt verlässlich nur über eine Leistungsauskunft deiner Krankenkasse (§ 305 SGB V).
- Für jede Praxis eine eigene Anfrage, oft mit Ausweiskopie oder Unterschrift.
- Antworten per Post, Fax oder E-Mail, mal vollständig, mal nur der letzte Arztbrief, Bilder auf CD.
- Nachhaken nach der Monatsfrist, wenn eine Praxis nicht reagiert.
- Aufbewahrungsfristen. Praxen müssen Akten zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung aufbewahren (§ 630f Abs. 3 BGB), ältere können vernichtet sein. Bei geschlossenen Praxen musst du erst herausfinden, wer die Akten hat.
- Wieder digitalisieren. Die Kasse digitalisiert für die ePA nur zweimal in 24 Monaten je zehn Dokumente (§ 350a SGB V), alles andere lädst du selbst hoch. Wie, steht im Ratgeber alte Befunde in die ePA.
Was nicht in deiner ePA steht, also ältere Befunde und Unterlagen anderer Praxen, holt anomalie für dich: nach einer einmaligen Vollmacht zuerst über deine Krankenkasse, um die Praxen zu finden, dann per Schreiben an jede einzelne, mit automatischer Erinnerung nach der Monatsfrist. anomalie ist keine ePA-App und funktioniert unabhängig davon, ob du die ePA nutzt.

Du gibst einmal frei. Wir holen deine Befunde, auch die von vor Jahren.
- Einmal freigebenDu erteilst in der App eine Vollmacht. Damit darf anomalie deine Unterlagen in deinem Namen anfordern.
- Praxen findenanomalie fragt zuerst deine Krankenkasse nach deiner Leistungsübersicht. Daraus ergibt sich, bei welchen Praxen und Kliniken du warst, auch die, an die du dich nicht erinnerst.
- Anfragen und dranbleibenJede Praxis bekommt ein Schreiben nach § 630g BGB und Art. 15 DSGVO. Kommt nichts, erinnert anomalie automatisch und besteht auf der Monatsfrist.
- Alles an einem OrtAntworten per E-Mail oder Fax landen direkt in deinem Health Profile, Briefe scannst du mit der App. anomalie liest die Werte aus und ordnet sie.
Kein Faxgerät, kein Nachtelefonieren, keine Fristen im Kalender.
Befunde anfordern lassenAlle Grundlagen zur Akte, ihren Funktionen und deinen Rechten findest du auf unserer Seite zur elektronischen Patientenakte.
Häufige Fragen
Ist die ePA Pflicht?
Nein. Die Krankenkassen legen sie zwar automatisch an, du kannst aber jederzeit widersprechen, ganz oder für einzelne Funktionen. Vor einem kompletten Widerspruch solltest du wissen, dass die Inhalte gelöscht werden und nicht zurückkommen (§ 344 Abs. 3 SGB V).
Muss ich die ePA-App nutzen, damit die ePA etwas bringt?
Nein. Praxen und Krankenhäuser können die ePA nach dem Stecken deiner Gesundheitskarte 90 Tage lang nutzen, auch ohne App. Mit der App siehst du aber selbst, was drin steht, und kannst Zugriffe steuern und Dokumente verbergen.
Wer kann meine ePA sehen?
Praxen, Krankenhäuser und Apotheken, die dich behandeln, nach dem Stecken der Karte für eine begrenzte Zeit: Praxen und Krankenhäuser standardmäßig 90 Tage, Apotheken drei Tage. Einzelne Einrichtungen kannst du sperren. Details im Ratgeber Zugriffsrechte in der ePA.
Was passiert mit meinen Daten für die Forschung?
Daten aus der ePA sollen pseudonymisiert an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit gehen, wenn du nicht widersprichst. Laut Bundesgesundheitsministerium startet das mit der nächsten Ausbaustufe der ePA. Du kannst diesem Teil gezielt widersprechen, ohne die ganze Akte aufzugeben. Bereits übermittelte Daten werden dann gelöscht, außer sie werden schon in laufenden Forschungsvorhaben genutzt.
Kann ich alte Befunde in die ePA bringen?
Ja. Du kannst eigene Dokumente in der App hochladen, und deine Krankenkasse muss auf Antrag Papierdokumente digitalisieren, zweimal innerhalb von 24 Monaten und jeweils bis zu zehn Dokumente. Vorher musst du die Befunde aber bei den Praxen besorgen.
Quellen
- gematik: Ein Jahr ePA für alle, mehr als 100 Millionen hinterlegte Dokumente (April 2026)
- KBV: Praxen treiben Nutzung der ePA voran (23.04.2026)
- Pharmazeutische Zeitung: Zahl der aktiven ePA-Nutzer bleibt gering (07.01.2026)
- vzbv: Elektronische Patientenakte, viel Potenzial, bislang wenig Nutzen (18.02.2026)
- gematik: FAQ zur ePA für alle
- § 347 SGB V: Übertragung von Behandlungsdaten durch Leistungserbringer
- § 363 SGB V: Verarbeitung von ePA-Daten zu Forschungszwecken
- § 344 SGB V: Widerspruch und Löschung der elektronischen Patientenakte
- § 630g BGB: Einsichtnahme in die Behandlungsakte
- Bundesministerium für Gesundheit: Die ePA für alle
- § 350a SGB V: Digitalisierung von Papierdokumenten durch die Krankenkasse
- § 630f BGB: Dokumentation der Behandlung
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung. So arbeitet unsere Redaktion